AUGENBLICKLICH

JULI – DEZEMBER 2010

HISTORISCHES MUSEUM FRANKFURT:


ALTE STADT AUS NEUEN HÄUSERN

TEIL 1

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eine dokumentarische Installation zur Frankfurter Altstadt

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Seit Juli dieses Jahres ist der erste Teil des Langzeitprojektes Alte Stadt aus neuen Häusern, das sich mit dem Abriss des Technischen Rathauses und der Neubebauung der Dominsel beschäftigt, im Historischen Museum in Frankfurt zu sehen. Die über viele Jahre andauernden Abriss- und Umbauarbeiten werden durch eine Überwachungskamera festgehalten, deren Bilder stündlich live in das Museum übertragen werden. Aus Interviews ist eine Tonspur entstanden, in der die gesammelten Stimmen in einen Dialog treten, die Debatte um die Veränderungen in Frankfurts Altstadt fortsetzen und die verschiedenen persönlichen Beziehungen und Blicke auf das Gebäude aufzeigen. So wird an ein Gebäude, das derzeit abgerissen wird, noch vor dessen Verschwinden eine Erinnerung geschaffen.

HINTERGRUND

Das Technische Rathaus, das in den 70er Jahren auf die Dominsel gebaut wurde, ist eines der umstrittensten Bauwerke der Frankfurter Architekturgeschichte. Schon in der Planung hat es Unstimmigkeiten provoziert und der Bürgerverein „Freunde Frankfurts“ forderte anstelle der „Baumasse“ ein architektonisch repräsentatives Gebäude. Trotzdem wurde das Technische Rathaus wie geplant gebaut und überlebte knapp 30 Jahre, bis die Stadt 2005 den Abriss des Gebäudes beschloss, der nun für Mitte 2010 vorgesehen ist. Auf den gewonnenen Freiraum soll eine Teilrekonstruktion der Altstadt gesetzt werden. Eine harmonische Kombination von modernen Gebäuden und Rekonstruktionen soll entstehen.

Das Technische Rathaus ist Zeugnis eines Architekturstils der 1950er/60er Jahre. Ist die „neue“ Altstadt hingegen nur die Kopie eines historischen Baustils? Oder ist die Rekonstruktion Zeugnis eines zeitgenössischen, sehr aktuellen Stils, der durch das Alte inspiriert etwas Neues schafft? Die Sehnsucht nach Vergangenheitsbewahrung ist allgegenwärtig. Der Wunsch nach der Rückkehr des Alten manifestiert sich. Woher kommt dieses Bedürfnis nach Erinnerungsorten? Und wird nicht die eine Erinnerung zugeschüttet für eine andere? Also muss nicht die Wiederherstellung eines früheren Zustandes immer auch mit der Zerstörung eines anderen, dazwischen liegenden Zustandes einhergehen? Oder ist es ein Neuanfang, der dazu beiträgt, Erinnerung zu bewahren?

Wer wird der Besucher dieses Ortes? Der Tourist oder der Bürger Frankfurts? Bleibt die Rekonstruktion wirklich „bloss“ Kunstraum oder wird sie zum Lebensraum für die Bürger? Und wessen Bedürfnis nach Rekonstruktion zeigt sich hier? Ist es der Wunsch nach Einheitlichkeit und Schönheit? Nach einer Geschlossenheit des Stadtbildes? Doch was wird als schön empfunden?

Alte Stadt aus neuen Häusern möchte sich entlang dieser Fragen mit dem Abriss des Technischen Rathauses und der Neukonstruktion der Altstadt beschäftigen. Zum einen liegt in dieser Arbeit ein dokumentarischer Anspruch, zum anderen wird ein sehr persönlicher Blick auf die Verwandlung der Dominsel gefunden.

Das, was sich über viele Jahre an Abriss- und Umbauarbeiten ereignet, wird durch eine Überwachungskamera festgehalten, deren Live Bild in einer Installation im Historischen Museum in Frankfurt zusehen ist. Aus Interviews, die seit Dezember 2009 geführt wurden, ist eine Tonspur entstanden, in der die gesammelten Stimmen in einen Dialog treten, die Debatte um die Veränderungen in Frankfurts Altstadt fortsetzen und die verschiedenen persönlichen Beziehungen und Blicke auf das Gebäude aufzeigen. Eine Erinnerung an ein Gebäude, das im Begriff ist abgerissen zu werden, ist damit noch vor seinem Verschwinden geschaffen worden.


Historisches Museum Frankfurt

Saalgasse 19 (Römerberg)

60311 Frankfurt am Main

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr

Mittwoch 10-21 Uhr

Montag geschlossen

Konzept/ Umsetzung: Sarah Bonnert

Video: Sarah Bonnert & René Liebert

Ton: Sarah Bonnert & Christian Fleißner

Mit freundlicher Unterstützung von:

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